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Beim Krankenkassenbeitrag bis zu 510 Euro sparen |
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Mittwoch, 4. August 2010 |
Schon 13 Kassen verlangen Zusatzbeiträge – darunter auch „große Tanker“ wie die DAK, KKH oder BKK Gesundheit. Doch einige Anbieter schütten sogar Prämien aus.
Nach monatelangem Ringen hat die Bundesregierung am 6. Juli eine Reform der Krankenkassenfinanzierung angekündigt. Im Kern bedeuten die Vorschläge einen tiefen Griff in die Geldbeutel der Versicherten, denn der gesetzlichen Beitragssatz zur Krankenversicherung steigt ab Januar 2011 von 14,9 auf 15,5 Prozent. Davon entfallen 8,2 Prozentpunkte auf die Versicherten und 7,3 auf die Arbeitgeber.
Seit der Einführung des Gesundheitsfonds Anfang 2009 bestimmen nicht mehr die Krankenkassen ihren jeweiligen Beitragssatz. Stattdessen gilt ein gesetzlicher Einheitsbeitrag, den die Bundesregierung festlegt. Die Kassen ziehen die Gelder zwar noch ein, leiten sie aber direkt an den Fonds weiter, der vom Bundesversicherungsamt verwaltet wird. Aus dem Fonds werden die Gelder nach einem komplizierten Schlüssel an die Krankenkassen verteilt. Dabei werden sowohl die Altersstruktur der Versicherten als auch ihre Erkrankungen berücksichtigt.
Wie die Zusatzbeiträge funktionieren
Kommt eine Kasse mit diesem Geld nicht aus, muss sie einen monatlichen
Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen – entweder eine Pauschale
von bis zu acht Euro oder einen prozentualen Beitrag, der höchstens ein
Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen betragen darf, höchstens
jedoch 37,50 Euro.
Es gibt aber auch einige wenige Krankenkassen, die Überschüsse
erwirtschaften und diese an ihre Mitglieder weitergeben: So schüttet die
hkk als derzeit einzige bundesweit wählbare Krankenkasse für 2009 und
2010 eine Prämie von jeweils 60 Euro an ihre Mitglieder aus, was pro
Monat fünf Euro entspricht. Auch für 2011 hält die Kasse nach
derzeitigem Stand eine Ausschüttung für möglich. Derzeit sparen
hkk-Mitglieder gegenüber der DAK 152 Euro im Jahr. Gegenüber der BKK für
Heilberufe fahren Gutverdiener sogar bis zu 510 Euro günstiger.
Was ändert sich 2011?
2011 sollen die gesetzlichen Obergrenzen für Zusatzbeiträge entfallen.
Stattdessen ist ein Sozialausgleich aus Steuermitteln geplant. Dieser
soll greifen, sobald der vom Bundesversicherungsamt ermittelte
durchschnittliche Zusatzbeitrag aller Krankenkassen bei einem einzelnen
Mitglied zwei Prozent des beitragspflichtigen Einkommens übersteigt.
Verständlich wird dies an einem Beispiel: Ein Mitglied verdient 800 Euro
im Monat, der durchschnittliche Zusatzbeitrag aller Krankenkassen
beträgt monatlich 18 Euro. Somit erhält das Mitglied einen
Sozialausgleich von 2 Euro – unabhängig davon, bei welcher Kasse es
versichert ist. Mit dieser Regelung will die Regierung den
Kassenwettbewerb erhalten.
Verwechslungsgefahr mit Wahltarifen
Nicht verwechseln sollte man die Beitragsprämien mit den altbekannten
Wahltarifen: Diese ermöglichen in der Theorie eine Ersparnis von
mehreren hundert Euro, sind aber für die Versicherten mit
Einschränkungen verbunden. Zum Beispiel muss meist drei Jahre lang auf
das Wechselrecht zu einer anderen Krankenkasse verzichtet werden.
Zu den Wahltarifen gehören Selbstbehalte, bei denen die Mitglieder einen
Teil des Kostenrisikos selbst übernehmen. Daneben lassen sich
Beitragsrückzahlungen und Boni wählen, bei denen man zum Beispiel durch
Vorsorgeuntersuchungen Punkte sammelt, die einem bestimmten Eurobetrag
entsprechen.
Ursachen der Beitragsunterschiede
Bei Kassen, die eine Beitragsprämie auszahlen, profitieren die
Mitglieder von Kostenvorteilen, die über Jahre erarbeitet wurden und
daher nur schwer kopierbar sind. Zum einen bewirken schlanke
Verwaltungsstrukturen eindeutige Kostenvorteile. So lagen die
hkk-Verwaltungskosten im Jahr 2009 je Versichertem mit 100,89 Euro weit
unter dem Kassendurchschnitt von 127,57 Euro – ein Unterschied von rund
25 Prozent. Insgesamt sparte die hkk dadurch 8,4 Millionen Euro ein.
Zum anderen verfügt die hkk über einen traditionell schuldenfreien
Haushalt mit hohen Rücklagen und Zinserträgen. Außerdem hat das
Unternehmen die erforderlichen Rückstellungen für die Betriebsrenten
ihrer Mitarbeiter bereits in vollem Umfang aufgebaut. Andere
Krankenkassen müssen dagegen noch über Jahrzehnte Rückstellungen in
Milliardenhöhe bilden.
Darüber hinaus haben Kassen wie die hkk ein effektives
Leistungsmanagement aufgebaut. Zum Beispiel lassen sich durch Verträge
mit Krankenhäusern und Arzneimittelherstellern gleichzeitig Kosten- und
Qualitätsziele verwirklichen. Die intensive Betreuung der Versicherten
hilft, teure Drehtüreffekte bei der medizinischen Versorgung und das
Auftreten von Folgeerkrankungen zu vermeiden.
Hohe Kundenzufriedenheit und Mitgliederwachstum
Preisvorteile muss man nicht durch Abstriche bei der Leistungsqualität
erkaufen. So erreicht die hkk hohe Kundenzufriedenheitswerte – zum
Beispiel 1,77 beim unabhängigen M+M Versichertenbarometer und die
Zertifizierung „gut“ beim TÜV nord. In den Bereichen Prävention,
Vorsorge und Haushaltshilfe, aber auch bei den Beratungsangeboten gehen
die Leistungen deutlich über die gesetzlichen Standards hinaus. Das
kommt offenbar gut an: So verzeichnete die hkk allein im ersten Halbjahr
ein Mitgliederwachstum von sieben Prozent.
Anmerkung der Redaktion: Bis zum Redaktionsschluss lagen uns keinerlei weitere Stellungnahmen anderer gesetzlicher Krankenkassen vor.
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